Fremd in Berlin

Pubblicato: 30 agosto 2010 in Erfahrungen in Deutschland
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Berlin, den 14. Juli 2010

Während ich ein Bier trinke, das weniger kostet als der Plastikbecher, in dem es enthalten ist, überlege ich worüber ich schreiben soll. Ich versuche meinen Gedanken eine Ordnung zu geben, um die vielen Eindrücke, Erlebnisse, Zwischenfälle, Schwierigkeiten, Überraschungen, die mir hier in Berlin begegnet sind, sinnvoll wiederzugeben.

Nach vielen Jahren – das erste Mal war es 1983 – habe ich beschlossen, eine längere Zeit in dieser einzigartigen deutschen Stadt zu verbringen. Dazwischen war ich auch einmal da, und zwar 1991, nach der Wende, und als Standort hatte ich “Ostberlin” gewählt.

Nun, einige Erfahrungen hatte ich auch schon damals gesammelt. Wie ist es dann gekommen, dass mir diesmal alles irgendwie “fremd” und schwieriger schien?

Als erstes kann ich das sagen: beide Male war ich hauptsächlich in der Rolle des Schülers hier, das erste Mal bin ich sogar mit meiner ganzen Dolmetscherklasse plus Lehrer gekommen, das zweite war ich mit einem Kurs an der Humboldt Universität beschäftigt, der mir vormittags und nachmittags zu schaffen gab. Diesmal war es anders: Eine Wohnung nur für einen Monat sicher, einen Job, über den ich nichts wusste, ein eigenes Auto und viel freie Zeit. Und, nicht zu unterschätzen, ein Alter, in dem manche Frauen schon Großmutter sind.

Ich glaubte, Deutschland und die Deutschen zu kennen. Im Grunde genommen hatte ich viele lange Jahre dem Studium der deutschen Sprache gewidmet. Aber ich musste dann feststellen, dass sich die Perspektiven ändern, wenn man in dem Land ist und keinen schon vorher gebahnten Weg vor sich hat. Ich dachte, die Deutschen seien präzis und hielten sich an Pünktlichkeit in Arbeitssachen: nach über einem Monat Arbeit habe ich noch keinen Vertrag. Ich dachte auch, hier würden Arbeitskräfte nicht ausgenützt: in den letzten Tagen habe ich erst erfahren, ich werde 13 Euro die Stunde kriegen (wovon mindestens 35% als Steuer abgezogen werden), für einen Job, den der Erzieherin, der viel eigene Verantwortung mit sich bringt.

Ich dachte die Deutschen (oder die Berliner) seien offen und tolerant. 70% der Wohnungsanbieter akzeptieren keine Raucher, ganz zu schweigen von Tieren, von denen ich dachte, dass sie in Deutschland sehr beliebt seien: meine Katze (und ich) sind Gefahr gelaufen, unter einer Brücke schlafen zu müssen!

Wenn man dann mit dem Auto etwas unsicher ist oder langsam fährt, weil man einen Parkplatz sucht, hupen dann alle wie von einer Schlange gebissen.

In den Supermärkten ist auch etwas Interessantes zu beobachten. Normalerweise (nur gerade heute war ich in einem Supermarkt, wo das nicht der Fall war) gibt es nach der Kasse nur Platz für die Waren eines Kunden. Einmal in Lidl, da ich ein bisschen langsam war, meine Sache wegzuräumen, hat die Kassiererin sie direkt in meinen Wagen geworfen! Glücklicherweise waren keine Eier dabei… Und….. was kann man zu der Tatsache sagen, dass man alle Obstsorten und Gemüse mit der bloßen Hand antastet, bevor man eine Entscheidung trifft? Ich habe vergebens nach Plastikhandschuhen gesucht, bis ich dann die Verkäuferin gefragt habe, um herauszufinden, dass es hier, in Gegensatz zu Italien, keine gibt. Und man sagt, die Italiener seien nicht so ganz sauber…

Natürlich bleibt Berlin eine außerordentliche Stadt, mit seinen wunderbaren Gebäuden, die man virtuell an jeder Ecke und in jedem Stadtteil sehen kann, nicht nur den öffentlichen, sondern auch den „normalen“ Häusern, den vielen Gewässern, den reichlich verstreuten Grünflächen, der multikulturellen Atmosphäre, den vielen Veranstaltungen und dem reichen Auswahl an Lokalen (von denen ich leider bis jetzt nur im Reiseführer gelesen habe, da es nicht sehr schön ist, allein dahin zu gehen).

Ich finde es aber sehr gut, dass man hier tagsüber in einem Café sitzen oder in einem Park liegen kann, ohne sich irgendwie verlegen zu fühlen, weil es so viele alleinstehende Leute gibt. Ein Ort wie der Teufelssee, wo man problemlos nackt laufen kann (ich war gestern da), findet man nirgendwo in Italien, wenn nicht an irgend einem abgelegen Strand auf Sizilien oder Sardinien. Einkaufen ist hier gut für den Geldbeutel. Alles ist ja so günstig! Und die Vielfalt an Einkaufsmöglichkeiten kann vielleicht nur New York überbieten. Außerdem kriegt man hier alles, aus aller Welt. Besonders eindrucksvoll habe ich türkische Supermärkte gefunden, die wirklich eine Menge interessanter Waren anbieten und ganz frisches Obst haben.

Und das Radfahren! Das genießt man hier wirklich. Sogar Autos halten an, wenn ein Fahrrad in Sicht ist! In Italien sind Fahrradwege überhaupt kein Konzept.

Das waren nur einige verstreute Gedanken über meine jetzt monatlichen Aufenthalt in Berlin. Zwei Monate sind noch zu vergehen und wer weiß, was ich an Eindrücke noch bekommen werde.

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