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Arzneimittelplagiate gab es erst in Afrika und Lateinamerika – via Internethandel kommen sie jetzt auch massenhaft nach Europa: 32 Millionen gefälschte Pillenpackungen wurden binnen zwei Monaten in der EU sichergestellt. Die EU bemüht sich gegenzusteuern – bislang erfolglos.

Von Peter Heilbrunner, SWR-Hörfunkstudio Brüssel

Der Handel mit gefälschten Medikamenten ist ein weltweites Phänomen. Zuerst tauchten die Arzneimittel-Plagiate in den Armenvierteln Afrikas und Südamerikas auf, immer häufiger gelangen sie jedoch via Internet auch nach Europa. Ob Cholesterinsenker, Schmerzmittel, Vitaminpräparate oder das Potenzmittel Viagra – in den Fälscher-Labors wird zusammengerührt, was am besten läuft. Und die Verbraucher greifen vor allem im Internet zu. Die EU ist machtlos, musste erst kürzlich EU-Industriekommissar Günter Verheugen vor dem Europaparlament einräumen: “Wir können den Internethandel nicht einschränken, auch für Medikamente nicht.”

Hersteller in der Pflicht

Deshalb will Brüssel zumindest die Hersteller in der Pflicht nehmen. Verheugen verlangt fälschungssichere Arzneimittel-Verpackungen. Verbraucher sollen erkennen können, ob eine Pillen-Packung manipuliert worden ist. Ein Strichcode soll sämtliche Informationen enthalten, um den Weg des Präparates vom Hersteller bis zum Kunden nachvollziehbar zu machen. Zudem sollen die Verbraucher anhand eines Siegels erkennen können, ob die Packung bereits aufgerissen und der eigentliche Inhalt durch gefälschte Medikamente ersetzt wurde: “Der Hersteller muss die Gewähr dafür leisten, dass die Wirkstoffe nicht gefälscht oder verfälscht sind”, sagt Verheugen.

Kann die EU den Online-Medikamentenhandel kontrollieren?

Vor einem Jahr hat die EU-Kommission ihre Pläne vorgestellt. Gut so, sagen die Experten der Branche – nur: Dem Internethandel mit gefälschten Arzneimitteln komme man so nicht bei. Schätzungsweise 80 Prozent der nachgemachten Tabletten und Tropfen werden online verkauft – dementsprechend gelte es im Netz anzusetzen, meint der FDP-Europaabgeordnete Jorgo Chatzimarkakis. Er hält das Argument, das Netz könne man nicht kontrollieren, für eine Ausrede. Chatzimarkakis will ein Gütesiegel für vertrauenswürdige Online-Händler einführen und schwarze Schafe brandmarken. Die Kommission müsse eine Liste sicherer Internet-Apotheken aufstellen und erklären, dass es in diesem Bereich auch Kriminelle gebe.

Vorsicht ist der beste Schutz

Die Einführung eines solchen Registers könne ohne langwierige Gesetzesprozesse erfolgen, ebenso wie eine Aufklärungskampagne über die Gefahren des Online-Medikamentenshoppings. Internet-Apotheken laufen Sturm gegen dieses Vorhaben – sie fühlen sich diskriminiert. Bis auf weiteres gilt deshalb: Auf keinen Fall bei undurchsichtigen Online-Händlern bestellen – das ist immer noch der beste Schutz.